Marionettenausstellung: Großes Theater auf kleiner Bühne

 

Marionettenausstellung: Großes Theater auf kleiner Bühne. Foto: Tourist-Information Viechtach
Hartmut und Anita Naefe präsentieren ihre Sammlung historischer Marionetten aus Bayern und Böhmen im Alten Rathaus Viechtach.

Ein Flohmarktbesuch vor rund zwanzig Jahren markiert den Anfang von Anita Naefes Sammelleidenschaft. Dort sprangen ihr zufällig fünf kleine Marionetten ins Auge. Als ihr beim Herausputzen der Puppen sich der bewegliche Mund eines kleinen Kasperls zu einem Lächeln öffenete, war es um die Viechtacherin geschehen. "Ich war so fasziniert von der Ausdrucksstärke des kleinen Gesichts", schwärmt Naefe. Während die Marionetten für Anita Naefe Liebe auf den ersten Blick bedeuteten, musste Ehemann Hartmut erst noch überzeugt werden. Er konnte den Marionetten zunächst nicht viel abgewinnen, bis nach der Restauration einer alten Kulisse schließlich auch ihn die Sammelleidenschaft gepackt hat.

Die Ausstellung umfasst ausschließlich Exponate, die zirka im Zeitraum zwischen 1850 und 1950 entstanden sind. Zu dieser Zeit praktizierten fahrende Puppenspieler die Kunst des Marionettentheaters in ganz Europa. Um Platz zu sparen, sind die meisten Puppen mit auswechselbaren Köpfen und Kostümen versehen. Dadurch ergeben sich Sets und Serien aus gängigen Charakteren, wie Prinzessin, Hofnarr, König und vielen mehr. Neben den bekannten Rollen gibt es auch mystische Gestalten, zum Beispiel einen Wassergeist in Froschgestalt aus der böhmischen Folklore, in der facettenreichen Sammlung zu entdecken.

Nicht nur die handgeschnitzten Marionetten, sondern auch die Liebe zum Detail gestalteten Miniatur-Requisiten und Bühnenbilder können in der Ausstellung besichtigt werden. Vom magischen Teich im Märchenwald, bis zum verbflüffend realistischen Bauernstübchen, die Kulissen verleihen den Marionetten den letzten Schliff und erwecken ihre Geschichten mit ausgeklügelten Mechanismen zum Leben. Die Puppen erzählen nämlich weit mehr als alt bekannte Kindermärchen oder klassische Kasperletheater. Sie waren ursprünglich zur Unterhaltung Erwachsener gedacht. So inszenieren Klassiker, wie Don Juan oder Opernstücke. Selbst Goethes Faust soll von einem Marionettenstück inspiriert worden sein. Auch die wohl berühmteste Marionette, der Kasperl, auch Kasparek genannt, hat als frecher Hofnarr, der satirisch die Oberschicht kritisieren konnte, einst eine andere Rolle als heute eingenommen.

Als Abbilder der Realtität sind die Marionetten und Ihre Kulissen Zeugen ihrer Zeit und Region. Das spiegelt sich in der Kleidung, dem Stil, den Materialien und den Bühnen der Figuren wider. So ist bei einem Fundus aus rund 1000 Marionetten oft geschichtliche Spurensuche gefragt, um den Ursprüngen der Puppen auf den Grund zu gehen. Dabei finden sich nicht nur Bühnen- und Puppenteile, sondern auch zahlreiche andere Schätze aus der Welt der Marionetten: Alte Fotos, Spielpläne, Plakate und vieles mehr. Besucher der Ausstellung erwartet damit eine wohl faszinierende als auch lehrreiche Reise durch die Geschichte der Marionetten und die historische Kultur des Dreiländerecks.

Die Ausstellung "Großes Theater auf kleiner Bühne - Marionetten aus Bayern und Böhmen" ist noch bis Ende des Jahres im Erdgeschoss des Alten Rathauses (Stadtplatz 1, 94234 Viechtach) untergebracht. Der Eintritt ist frei.

Besucher werden gebeten, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen und sich beim Zutritt über die maximale Besucherzahl zu informieren.

Öffnungszeiten: Mo. - Fr.: 09:00 - 17:00 Uhr | Sa.: 10:00 - 13:00 Uhr | So.: 10:00 - 12:00 Uhr


Weitere Informationen erhalten Sie hier:
Tourist-Information Viechtach
Stadtplatz 1, 94234 Viechtach
Tel. 09942 1661, Fax 09942 6151
E-Mail: tourist-info@viechtach.de
Internet: www.viechtacher-land.de